Geburtstrauma verarbeiten – Tag 12

Wenn Schuldgefühle nach der Geburt bleiben

Eine Frau bereitet sich auf die Geburt vor. Sie hat ein wunderbares Gefühl. Sie hat gelesen und sich informiert und vielleicht einen Geburtsplan geschrieben. Sie hat Affirmationen gehört und sich innerlich ausgerichtet und sie geht mit einem klaren Gefühl hinein, dass sie das Schaffen wird und dass sie ihren Weg gehen kann.

Und dann verläuft alles anders und danach ist da etwas, das sich nicht einfach einordnen lässt und das bleibt, auch wenn im Außen alles weitergeht.

Und mit diesem Gefühl kommen Gedanken und sie tauchen immer wieder auf, in ruhigen Momenten, im Alltag, manchmal nachts, und sie kreisen darum, warum sie nichts gesagt hat oder warum sie etwas zugelassen hat oder warum sie nicht anders entschieden hat und ob sie etwas hätte verändern können.

Und während das alles innerlich weiterläuft, ist das Baby da und der Alltag beginnt und sie kümmert sich und sie funktioniert und von außen wirkt vieles stabil.

Und im Inneren arbeitet etwas weiter und es ist dieses leise Nagen und dieses Hinterfragen und dieser Zweifel an sich selbst, der sich nicht einfach abschütteln lässt.

Wenn sich die Mutter nun mitteilt, erlebt sie häufig Folgendes: es wird beruhigt, es wird relativiert und es wird versucht, den Blick nach vorne zu richten und ihr wird gesagt, dass sie ihr Bestes gegeben hat und dass jetzt alles gut ist. Dass ihr Kind doch gesund ist.

Und gleichzeitig bleibt dieses ungute innere Gefühl bestehen. Es zeigt sich immer wieder, leise und im Hintergrund und doch wirksam.

Schuldgefühle entstehen nicht einfach aus dem Nichts und sie verschwinden auch nicht dadurch, dass man über sie hinweggeht oder sie anders bewertet.

Und solange das Erleben, aus dem sie entstanden sind, nicht zu Ende gekommen oder integriert ist, bleiben sie bestehen und wirken weiter.

Und wenn sie sich wirklich nachhaltig und vollständig lösen können, verändert sich auch das eigene Erleben und es entsteht etwas Neues, das nicht erarbeitet werden muss, sondern sich von innen heraus entwickelt.

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