F.A.Q.

Stellt mir gerne eure Fragen, am besten per mail an info@trauma-institut.com. Dann bekommt ihr baldmöglichst eine Antwort per mail und hier auf der F.A.Q. Seite 🙂

Ich bin Trageberaterin, ist diese Fortbildung etwas für mich oder brauche ich andere fachliche Vorkenntnisse?

Nein, für die Fachfortbildung Geburtstrauma benötigst du keine Vorkenntnisse. Alles was du brauchst um gewissenhaft, personenbasiert und achtsam die PIN-Geburtsnachsorgegespräche zu erlernen, lernst du in der Fortbildung. Das PIN-Geburtsnachsorgegspräch ist keine Psychotherapie. Falls die Person mit der du das Gespräch geführt hast, nach dem Gespräch weiterhin Probleme haben sollte, können wir an andere Fachkräfte verweisen. Wir verstehen uns als niedrigschwelliger Kontakt für alle Betroffenen.
Du benötigst also keine weitere Grundausbildung für die PIN-Geburtsnachsorgegespräche. Du machst aber mit dem Wissen der Fortbldung auch nichts anderes als PIN-Geburtsnachsorgegespräche. 

Kann ich mit betroffenen Männern auch ein PIN-Geburtsnachsorgegespräch führen?

Ja, das Gespräch ist nicht auf ein bestimmtes Geschlecht abgestimmt. Es gibt ein paar Fragen vorab die es dann anzupassen gäbe, aber ansonsten machen wir mit Männern dasselbe wie mit Frauen;-)

Mit wem kann ich nach der Fortbildung arbeiten?

Die Zielgruppe sind Frauen wie Männer bis zu einem Jahr nach der Geburt. Frühgeburten, Fehlgeburten, Totgeburten, Abtreibungen, Kaiserschnitt, vaginal, Saugglocke, Zange… eigentlich alles was mit Geburt zu tun hat. Ebenso kannst du mit Hebammen in der Fallsupervision arbeiten. 

Für wen ist das PIN-Geburtsnachsorgegespräch?

Das Anliegen von PIN (Prävention und intensive Nachsorge) ist es, niedrigschwellig alle Personen anzusprechen, die von belastenden, schwierigen oder traumatischen Geburtserfahrungen betroffen sind. Die Vision ist, allen Frauen nach der Geburt ein PIN-Geburtsnachsorgegespräch zu ermöglichen. Wir diagnostizieren nicht. Wir begleiten die Frau sehr strukturiert und personenbasiert bei einer inneren Reflektion.
Das PIN-Geburtsnachsorgegespräch ist auch für Frauen geeignet, denen eine Traumatherapie bezüglich dem Geburtserlebnis angeraten wurde, häufig geschieht solch ein Anraten ohne jegliche Diagnosestellung. Das Gespräch kann zusätzlich zu einer Psychotherapie stattfinden, insbesondere wenn der begleitende Psychotherapeut nicht auf traumatische Geburtserfahrungen spezialisiert ist. Eine Zusammenarbeit ist wünschenswert. Die Arbeitsweise kommt aus der Traumatherapie, deshalb wird mit Frauen die im Hintergrund eine Diagnose haben genau so gearbeitet wie mit Frauen die keine Diagnose mitbringen.
Für Frauen mit psychiatrischen Vor- oder zusätzlichen Erkrankungen wird die Begleitung von einer PIN-Fachkraft empfohlen, die auch eine Grundqualifikation zur Ausübung der Psychotherapie hat und die andere Themengebiete mitbegleiten kann.

Warum ist diese Arbeit keine Psychotherapie?

Wir erstellen keinen Behandlungsplan über mehrere Sitzungseinheiten. Es ist eine einmalige Begleitung der Frau (oder auch des Mannes/der Begleitperson) um die Geburt nochmal strukturiert zu reflektieren. Wir geben keine Einschätzungen, Ratschläge oder andere therapeutische Interventionen und machen keine probatorischen Sitzungen für einen therapeutischen Beziehungsaufbau. In den meissten Fällen benötigen wir ein Gespräch.

Arbeiten Sie mit anderen Fachkräften zusammen?

Für Frauen in der Schwangerschaft und im Wochenbett bitten wir für eine bestmögliche Zusammenarbeit um eine Schweigepflichtsentbindung mit dem begleitenden Arzt oder der begleitenden Hebamme. Dies wird auch in der Zusammenarbeit mit einem Psychotherapeuten angestrebt.

Kann das PIN-Geburtsnachsorgegespräch schwer traumatisierte Frauen überfordern?

Die PIN-Geburtsnachsorgegespräche sind für alle betroffenen Personen nach belastenden Erfahrungen rund um die Geburt. Wir benötigen keine Diagnosen. Wie schwer diese Erfahrung für die Einzelne war, spielt dafür keine Rolle. Wir arbeiten mit allen mit dem gleichen Ansatz. Es kommt häufig vor, dass Frauen schon in Tränen ausbrechen, wenn sie die ersten Worte aussprechen. Bei anderen kommen gar keine Tränen. Ist die eine traumatisierter als die Andere? Ich würde darüber kein Urteil fällen und sie auch nicht vom weinen abhalten, wenn es ihr hilft ihre Geschichte zu reflektieren. Ich sehe eher ein Problem in vielen therapeutischen Ansätzen, die sich versuchen so einzurichten, dass betroffene Personen, die jeden Tag mit ihren persönlichen Problemen zu kämpfen haben, nicht zu viel konfrontiert werden dürfen. Stabilisierung wird gross geschrieben. Ist es nicht leichter statt an der Kontrolle der Symptome zu arbeiten, die Wurzel zu betrachten und hier Erleichterung voran zu bringen? Menschen dissoziieren am ehesten durch Überforderung. Wir treffen einige Vorkehrungen in den PIN-Geburtsnachsorgegesprächen, dass Betroffene in ihrem Tempo, selbstverantwortlich ihre Themen bezüglich des Erlebten reflektieren können, so wie es für sie richtig ist. Psychoedukation ist dabei ein wichtiger Teil. Mit dem Wissen, dass Tränen zu einem besseren „Ende“ gebracht werden können, brauchen sie keine Angst zu machen. Die PIN Gespräche sind bewusstseinsfördernd. Betroffene verlassen uns immer mit einem „leichteren“ Gefühl als sie gekommen sind. Sonst ist die Sitzung nicht zu Ende. Wir erlernen eine personenbasierte Haltung in der immer die betroffene im Mittelpunkt steht und die Expertin ihrer Erfahrung ist. Diese (und andere Faktoren) ermöglichen es dem Klienten sicher und selbstbestimmt, mit selbstgewählten Inhalten an die Belastung zu gehen und dabei achtsam begleitet zu werden. Es ist meines Erachtens viel wichtiger, das Klienten sich Stück für Stück mit dem Erlebten „sicher“ fühlen, als das sie lernen „sicher“ mit den Symptomen umgehen zu können.

Ich bin bereits Psychologin und habe Traumatherapieerfahrung mit EMDR und Somatic Experiencing. Ist die Fachfortbildung Geburtstrauma dennoch etwas für mich?

Ja. Im PIN-Geburtsnachsorgegespräch betrachten wir das Ereignis als Ganzes und nicht in einzelnen Aspekten. Es ist nicht integrierbar in andere Methoden sondern ein „eigenständiges Gesprächsangebot“ mit einer definierten Struktur und Kommunikationshaltung. Es kann nicht verändert oder abgewandelt werden. Alle PIN-Begleiterinnen arbeiten gleich und wir wissen genau, was die Andere tut, wenn wir uns gegenseitig empfehlen.
Der größte Diskussionsbedarf für Fachkräfte mit therapeutischer Vorbildung entsteht in der Fortbildung beim Erlernen der personenbasierten Haltung, da diese doch anders ist als die klientzentrierte Arbeitsweise. Auch spiegeln wir keine Gefühle oder teilen unsere Gedanken. Auch arbeiten wir nicht gegen Widerstand.

Es besteht die Möglichkeit den Gesprächsansatz in einem Zusatzmodul zu erweitern und auch in der Behandlung mit anderen Monotraumata anzuwenden. Im Anschluss gibt es noch ein Modul zur Behandlung traumatischer Belastungsnetzwerke. Eine Zertifizierung ist auch hier möglich. Diese Erweiterung ist nur für Personen mit psychotherapeutischer Heilbefugnis zugänglich.