Ein Schlüsselfaktor in der menschbasierten Haltung❤️
Der entscheidende Wirkfaktor in der Arbeit rund um die Geburt – Warum Fachkräfte lernen müssen, sie bewusst zu erkennen und zu vermitteln
In der Arbeit rund um Schwangerschaft, Geburt und frühe Elternschaft begegnen Fachkräfte immer wieder Frauen, die medizinisch „gut versorgt“ wurden – und sich dennoch innerlich verloren fühlen. Dann geht es oft nicht um die richtige Intervention, den besten Rat oder eine weitere Erklärung.
Was fehlt, ist etwas Grundlegenderes: subjektive Sicherheit.
Sie ist während der Geburt Voraussetzung für Selbstbestimmung – und in der Nachsorge dafür, dass Erlebtes überhaupt integriert werden kann.
Im letzten Newsletter habe ich über die Bedeutung von Schlaf gesprochen. Doch sich wirklich sicher zu fühlen, ist ein weiterer – oft unterschätzter – Schlüsselfaktor.
Subjektive Sicherheit ist kein Luxus – sie ist Voraussetzung
Subjektive Sicherheit beschreibt den inneren Zustand, in dem ein Mensch sich erlebt als:
- nicht bedroht
- nicht ausgeliefert
- nicht überfordert
- und in sich orientiert
Dieser Zustand ist nicht identisch mit objektiver Sicherheit.
Eine Geburt kann medizinisch korrekt, leitliniengerecht und komplikationsfrei verlaufen – und dennoch subjektiv als überwältigend, entgrenzend oder bedrohlich erlebt werden.
Für das Nervensystem zählt nicht, was objektiv geschehen ist, sondern wie es erlebt wurde.
Und genau hier entscheidet sich auch in der kognitiv-emotionalen Nachsorge, ob eine Geburt:
- integriert werden kann
- fragmentiert im Gedächtnis bleibt
- oder langfristig belastend wirkt
Warum subjektive Sicherheit der Kern jeder wirksamen Begleitung ist
Ohne subjektive Sicherheit kann ein Mensch:
- Erlebnisse nicht kohärent erinnern
- Emotionen nicht regulieren
- Bindung nur eingeschränkt erleben
In der Arbeit rund um die Geburt bedeutet das konkret:
- Gespräche „verpuffen“
- Erklärungen erreichen die Frau nicht
- gut gemeinte Unterstützung wird nicht angenommen
- Fachkräfte erleben Ohnmacht, Frustration oder Rückzug
Nicht, weil sie „etwas falsch machen“, sondern weil der Boden fehlt, auf dem Begleitung ausreichend wirken kann.
Die subjektive Sicherheit im menschbasierten Ansatz bildet diesen Boden.
Subjektive Sicherheit entsteht nicht durch Worte – sondern durch die innere Ausrichtung der Fachkraft
Ein zentraler, oft unbeachteter Punkt: Subjektive Sicherheit lässt sich nicht verordnen, erklären oder einfordern. Sie entsteht im Kontakt.
Das Nervensystem der Frau orientiert sich unbewusst an:
- der inneren Ruhe der Fachkraft
- ihrer Präsenz
- ihrer Fähigkeit, Komplexität auszuhalten und den Fokus zu bewahren
- ihrem Verzicht auf Bewertung, Einordnung oder Beschleunigung
Fachkräfte vermitteln subjektive Sicherheit nicht durch Methoden, sondern durch ihr Sein im Kontakt.
Und genau deshalb ist diese Kompetenz so anspruchsvoll – und so selten wirklich erlernt.
Warum viele Fachkräfte diese Kompetenz spüren – aber nicht greifen können
Viele Fachkräfte ahnen, dass es „darum“ geht.
Sie spüren, dass Worte allein nicht reichen.
Sie merken, dass manche Gespräche trotz aller Erfahrung nicht wirklich tragen.
Was häufig fehlt, ist:
- ein präzises Verständnis von subjektiver Sicherheit
- eine Sprache dafür
- und ein Raum, in dem diese Haltung bewusst entwickelt werden kann
Die meisten Aus- und Weiterbildungen fokussieren auf:
- Wissen
- Techniken
- Interventionen
Doch subjektive Sicherheit entsteht vor all dem.
Warum die Fachfortbildung Geburtstrauma genau hier ansetzt
Die Fortbildung zur AS-Geburtsnachsorge richtet sich an Fachkräfte, die nicht „noch ein Tool“ suchen, sondern:
- den Kern wirksamer Begleitung verstehen wollen
- ihre eigene Präsenz als Wirkfaktor begreifen möchten
- lernen wollen, Sicherheit bewusst herzustellen – auch in schwierigen Situationen
Diese Fortbildung ist tiefgehend, weil sie:
- die Fachkraft selbst einbezieht
- Haltung nicht voraussetzt, sondern entwickelt
- und Menschsein nicht abstrahiert, sondern erfahrbar macht
Viele Teilnehmende beschreiben rückblickend, dass sie hier nicht nur etwas gelernt, sondern etwas Wesentliches verstanden haben. Die Fortbildung ist online möglich – doch seit langer Zeit nun auch wieder zum Teil in Präsenz.
Wenn du die Fähigkeit subjektive Sicherheit zu geben nicht nur verstehen, sondern verkörpern möchtest, dann ist diese Fortbildung nicht optional – sondern folgerichtig.
Ich freue mich sehr auf den intensiven Ausbildungsblock in Spanien. Bist du auch dabei?
Und ja, schreibt mir bitte, ob ihr diese Fähigkeit auch für den Umgang mit Frauen unter der Geburt lernen wollt. Ich denke es wäre wesentlich, um Gebärende selbstbestimmt begleiten zu können.
Herzlichst
Astrid Saragosa